Einfuehrungswoche in Kundapura

November 12, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ob mir Indien gefällt, möchte einer der Freiwilligen wissen, mit denen ich gemeinsan die Einführungswoche verbringe. Das ist eine gute Frage. Ich höre mich selbst sagen: „I feel like a baby who sees everything for the first time, who doesn’t associate anything with those things it sees and just tries to search for certain orders.“ Das passt mit dem Kommentar eines anderen Freiwilligen hier zusammen, der sagt, dass Reisen jung hält.

am Flughafen

Einen Tag später fange ich jetzt aber doch schon an die Dinge, die ich sehe zu bewerten. Was mir hier (in Kundapura, im Süden an der Westküste; nach der Einführungswoche werde ich in Chennai gegenüber an der Ostküste sein) sehr gefällt, sind zunächst mal die vielen Palmen, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit draußen sitzen kann oder dass die Inder hier sehr freundlich sind. Sie sind keineswegs aufdringlich, wenn man als „weißer“ an den Geschäften vorbeigeht (was ich beispielsweise in Jerusalem so erlebt habe) und machen auch keine auffallend hohe Preise extra für „weiße“. Stattdessen kann man sich beinahe als ein normaler Mitbürger fühlen. Die einzigen Moment, wo man merkt, dass man hier als Europäer doch etwas anders gesehen wird als andere, sind, wenn man von Gruppen von Kindern spontan angelächelt wird, die sich sichtlich freuen, uns Exoten zu sehen. Was mir nicht gefällt, ist die Armut. Hier kann man einfachste, halb improvisierte Hütten direkt neben noblen villen sehen. Und die hygienische Sitation ist problematisch. Es gibt sehr viel Müll, kein Abwassersystem, etc.

Wohnviertel in Kundapura

Derzeit befinden sich alle neuen Freiwilligen von FSL-India, zu denen auch ich gehöre, in Kundapura für eine Einführungswoche. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Crashkurs in der lokalen Sprache (für den Einsatzort Chennai, wo ich danach arbeiten werde, ist das Tamil), gegenseitiges Kennenlernen von Teilnehmern und FSL-Team, Informationen über die indische Kultur, ein Vortrag zur „Hindu pholosophy“ und eine Exkursion zum Shiva Tempel. Die meisten Mitarbeiter im FSL-Team, die vor Ort sind, sind übrigens Moslems, während die meisten Gastfamilien, die die Freiwilligen aufnehmen, Christen sind. Alles ist hier voll von Religion. Ein Grund dafür sei, dass andere Religionen für den Hinduismus, dem hier etwa 80 Prozent der Bevölkerung angehören, laut Mitarbeitern, kein Problem seien, er fordere im Gegenteil eher Moslems dazu auf, bessere Moslems zu werden, Christen dazu, bessere Christen zu werden, etc. Ich werde in den nächsten Monaten wohl noch genügend Möglichkeiten haben, zu erfahren, ob sich das bewahrheitet.

Während ich an diesem Abend durch Kundapur gehe, bekomme ich auf einmal für einen kurzen Moment heimische Gefühle. Ich bemerke, dass das wohl an dem Klang einer Kirchenglocke liegen muss, der aus einem Gebäude links von mir kommt. Dieses Gebäude scheint allerdings keine Kirche zu sein, sondern anscheinend ein hinduistischer Tempel, geschmückt mit Blumen und bunten Ornamenten. Eine große Menschentraube drängt sich bis draußen auf die Straße. Offensichtlich wird hier ein wichtiges Fest gefeiert, dass allerdings auch nur hier gefeiert wird, denn im Rest der Stadt herrscht normales Alltagstreiben. Zu den Glocken mischen sich dann auch Trommel-Rythmen. Ich will nicht starren und werde, da ich abgelenkt bin, auch beinahe von einem Rikscha angefahren, deshalb gehe ich weiter und ärgere mich später, dass ich niemanden gefragt habe, was das für eine Feier war. Über 250 verschiedene Feiertage gibt es übrigens in Indien – auch das haben wir in der Einführungswoche gelernt. Aber natürlich feiert nicht jeder jeden dieser Feiertage, sonst währe Indiens Wirtschaft sicherlich nicht so aufstrebend, wie sie es derzeit ist.

Kundapura

Ein weiteres Mal gehe ich durch die Straßen von Kundapura und erwische mich dabei, wie ich die Menschen auf der Straße plötzlich als eine Art feindselige Moskitos ansehe, die jederzeit auf mich zukommen könnten und mich aussaugen. In meiner linken Hosentasche befindet sich ein mit 13.000 Indischen Rupien (ca. 200€) prall gefülltes Portemonnaie- ein Teil des Geldes, das ich für die Versorgung, Versicherung, etc. an FSL zahlen muss – was mich anscheinend sichtlich nervös macht. Sogleich bin ich erschrocken darüber, wie schnell sich meine Wahrnehmung der Menschen um mich herum von Geld korrumpieren lässt. Und das, obwohl mir die wunderbaren Menschen in dieser Stadt mir bisher nicht den geringsten Anlass gegeben haben, mich vor ihnen zu fürchten. Sofort nehme ich mir vor, solche Ängste sein zu lassen, da es ansonsten wohl kaum möglich sein wird, den Leuten in meinem Projekt eine wirkliche Hilfe sein zu können.

Gruppenbild Freiwillige

Sonntag frueh um 6.00 Uhr geht es dann auf eine etwa 20-stuendige Busfahrt nach Chennai, wo ich dann meinen eigentlichen Einsatzort kennen lernen werde.

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